Lage
Berlin
Fertigstellung
2001
Bauherr/in
privat
Fläche
2.800m²
Statik
WOF-Planungsgemeinschaft Wappler Fraaß GbR

Mietshaus Schliemannstraße

[Sanierung & Dachausbau]

Mieter übernehmen nach Rückübertragung ihr Haus selbst, gründen eine GbR, binden sich einen Kredit ans Bein, werden im Programm „Bauliche Selbsthilfe“ im Rahmen der Sozialen Stadterneuerung des Senats von Berlin umfangreich finanziell unterstützt, leisten einen erheblichen Anteil der Bauarbeiten in Eigenleistung, wollen mit Lehm bauen und da halb Berlin auf Lehm gebaut ist, soll auch noch möglichst das komplette Material vor Ort gewonnen werden. Exzessiver geht`s nicht, aber so war es.
Der Hof wurde aufgegraben, um die Außenwände horizontal durchzusägen und nachträglich abzudichten. Die Baugrube wurde kapillarbrechend verfüllt und verdichtet. Der gewonnene Lehm verschwand in den Etagen in Trennwänden und statt des vormals verwendeten Bauschutts, in den sanierten Decken als Füllmaterial. Die eigens ausgedachten Trennwandkonstruktionen zeigten gute schalldämmende Eigenschaften.
In manchen Wohnungen wurde aufwändig der Stuck erhalten, manches geätzte Treppenhausfenster über die Bauzeit bewahrt, Krümmlinge von Treppengeländern nachgeschnitzt, Tore restauriert und aus anderen Objekten historisches Baumaterial, wie Türen und Dielen, geborgen und wiederverwendet. Die Stahlgeländer der Terrassen, Balkone und Austritte sind dreidimensional gekrümmt und somit die Hingucker an den schlichten Fassaden. Das Gründach erfreut nicht nur die Bewohner unterm Dach und das Farbkonzept, besonders der frei zugänglichen Flächen wie den Treppenhäusern, muntert auch nach Jahren noch auf.
Die Grundrisse setzen sich teils aus etagenweise zusammengelegten Wohnungen, teils aus Maisonette-Wohnungen zusammen und sind flexibel gestaltet. Fast kein Grundriss existiert zweimal.

Fotorechte: Sophia Paeslack & Jörg Wappler